Fast jeder im deutschsprachigen Raum verbindet Kindheitserinnerungen mit den 7,5 Zentimeter großen Figuren von Playmobil. Ob Ritterburg, Piratenschiff oder Bauernhof – die Marke ist eine Ikone. Doch in den letzten Jahren waren die Nachrichten aus Zirndorf, der Heimat des Herstellers, oft besorgniserregend. Von Krise und massivem Stellenabbau war die Rede.
Das wirft eine ernste Frage auf: Steht Playmobil 2025 vor der Insolvenz?
Um die wichtigste Antwort direkt vorwegzunehmen: Nein. Playmobil, als Teil der dahinterstehenden Horst Brandstätter Group, ist nicht insolvent. Das Unternehmen befindet sich jedoch in der tiefsten und ernsthaftesten Restrukturierung seiner Geschichte. In diesem Artikel trennen wir die Gerüchte von den Fakten.
Das Wichtigste in Kürze
- Keine Insolvenz: Die Horst Brandstätter Group, der Mutterkonzern von Playmobil, ist nicht insolvent. Die Produktion und der Verkauf von Spielwaren laufen weiter.
- Tiefe Krise & Restrukturierung: Das Unternehmen steckt in einer schweren wirtschaftlichen Krise. Der Umsatz ist seit 2021 um rund ein Drittel eingebrochen (auf ca. 490 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2023/24).
- Massiver Stellenabbau: Als Reaktion auf die Krise wurde ein harter Sanierungskurs eingeschlagen. Bis 2025 wurden und werden weltweit rund 700 Stellen abgebaut, was fast jeden fünften Arbeitsplatz betrifft.
Der Kern der Gerüchte: Krise, aber keine Pleite
Woher kommt also die Sorge? Sie ist nicht aus der Luft gegriffen. Wenn ein Traditionsunternehmen wie Playmobil weltweit Hunderte von Stellen streicht, sorgt das für Schlagzeilen. Diese Maßnahmen sind jedoch kein Zeichen einer Insolvenz, sondern der drastische Versuch, genau diese abzuwenden.
Die Probleme sind real:
- Umsatzeinbruch: Die Umsätze sind in den letzten Jahren dramatisch gesunken. Im Geschäftsjahr 2023/2024 fiel der Umsatz auf rund 490 Millionen Euro. Zum Vergleich: Zwei Jahre zuvor lag er noch bei 736 Millionen Euro.
- Verluste: Das Unternehmen hat, nach Jahrzehnten des Erfolgs, 2022 Berichten zufolge erstmals rote Zahlen geschrieben.
- Stellenabbau: Um die Kosten in den Griff zu bekommen, wurde der Abbau von weltweit fast 700 Stellen bis 2025 beschlossen. Ein Großteil dieses schmerzhaften Schrittes wurde bereits 2024 vollzogen.
Ein Unternehmen, das so umfassend spart und Personal abbaut, ist in Schwierigkeiten. Ein „Restrukturierung“ oder „Transformation“ genannter Prozess ist die oft harte Medizin, um das Ruder herumzureißen.
Warum die Ikone kämpft: Die Gründe für die Krise
Wie konnte es so weit kommen? Der neue Playmobil-Chef Bahri Kurter, der 2024 antrat, um den Turnaround zu schaffen, sprach selbst von einem „dramatischen Relevanzverlust“ bei Kindern.
Mehrere Faktoren spielen hier zusammen:
- Digitale Konkurrenz: Kinder verbringen heute mehr Zeit mit Smartphones, Tablets und Videospielen. Klassisches, physisches Spielzeug hat es schwerer.
- Starker Wettbewerb: Der Hauptkonkurrent Lego agiert extrem erfolgreich mit starken Lizenzen (wie Star Wars oder Harry Potter) und einer perfekten Verknüpfung von physischen Sets und digitalem Content.
- Wirtschaftliches Umfeld: Die Inflation und die allgemeine „Konsumflaute“ treffen Playmobil hart. Eltern sparen, und teures Spielzeug wird seltener gekauft.
- Verpasste Trends: Kritiker werfen dem Unternehmen vor, zu lange auf alten Erfolgen ausgeruht und die Digitalisierung verschlafen zu haben.
2025: Das Jahr der Transformation?
Das Management hat die Lage erkannt und steuert radikal um. Das Jahr 2024 wurde als „Transformationsjahr“ bezeichnet, und 2025 müssen die Maßnahmen greifen.
Wie sieht der Plan für die Zukunft aus?
- Neue Zielgruppen: Playmobil war klassisch auf Kinder von vier bis acht Jahren ausgerichtet. Künftig will man auch ältere Kinder (bis zwölf Jahre) und verstärkt erwachsene Sammler:innen ansprechen.
- Neue Produkte: Es wird an neuen Spielwelten gearbeitet. Auch Kooperationen, wie mit dem DFB zur Fußball-Europameisterschaft 2024, sollen neue Impulse setzen.
- Digitale Erweiterung: Das Spielerlebnis soll stärker mit digitalen Inhalten verknüpft werden, um dort anzudocken, wo die Kinder sich bereits aufhalten.
Die Horst Brandstätter Group selbst blickte Ende 2024, trotz der Krise, „optimistisch“ auf das laufende Geschäftsjahr 2024/2025.
Was das für dich als Fan oder Käufer:in bedeutet
Wenn du im Laden stehst oder online nach einem Geschenk suchst, kannst du das weiterhin mit gutem Gewissen tun. Playmobil ist nicht „weg vom Fenster“.
Die Produkte sind weiterhin im Handel verfügbar, und die Qualität „Made in Europe“, auf die das Unternehmen stolz ist, bleibt ein Kernmerkmal. Das Unternehmen kämpft, aber es kämpft aktiv um seine Zukunft. Eine Insolvenz ist 2025 nicht in Sicht.
