Wenn wir an die großen US-Tech-Konzerne denken, haben wir oft sofort ein Gesicht vor Augen. Bei Tesla ist es Elon Musk, bei Amazon Jeff Bezos, bei Facebook Mark Zuckerberg. Doch wer ist das Gesicht oder der Eigentümer von eBay?
Der Online-Marktplatz, der 1995 als kleines Auktionshaus für Sammler begann, ist heute eine der bekanntesten E-Commerce-Marken der Welt. Doch anders als bei vielen anderen Tech-Giganten gibt es bei eBay keinen dominierenden Gründer mehr, der die Mehrheit der Aktien hält. Die Antwort auf die Frage „Wem gehört eBay?“ führt tief in die Struktur einer modernen, breit gestreuten Publikumsgesellschaft (Public Company). eBay gehört heute niemandem allein – und doch gibt es mächtige Akteure im Hintergrund, die den Kurs bestimmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Streubesitz-Konzern: eBay ist eine klassische „Public Company“ ohne dominierenden Einzelaktionär; das Unternehmen gehört zu fast 100 % institutionellen Anlegern und privaten Aktionären.
- Die Macht der Vermögensverwalter: Die größten Anteile halten riesige Investmentgesellschaften wie The Vanguard Group und BlackRock, die zusammen fast 20 % der Stimmrechte kontrollieren.
- Pierre Omidyar: Der Gründer Pierre Omidyar ist zwar noch im Unternehmen involviert (als Director Emeritus), hat seinen direkten Einfluss und seinen Aktienanteil über die Jahre jedoch massiv reduziert und ist kein kontrollierender Eigentümer mehr.
Vom Gründer zum Aktionär: Die Rolle von Pierre Omidyar
Die Geschichte von eBay beginnt mit Pierre Omidyar. Der Programmierer startete die Seite 1995 unter dem Namen „AuctionWeb“ in seinem Wohnzimmer in San José. Die Legende besagt, er habe sie gegründet, damit seine Frau PEZ-Spender tauschen konnte – eine nette Marketing-Geschichte, die sich später als PR-Erfindung herausstellte.
Fakt ist: Omidyar war der alleinige Eigentümer. Doch mit dem rasanten Wachstum und dem Börsengang (IPO) im Jahr 1998 änderte sich dies. Wie bei fast allen Tech-Gründern verwässerte sein Anteil durch die Ausgabe neuer Aktien an Investoren und Mitarbeiter.
Status heute: Pierre Omidyar ist immer noch mit eBay verbunden, trägt den Titel „Director Emeritus“ und sitzt im Board. Er hält jedoch nur noch einen vergleichsweise kleinen Anteil der Aktien (oft im niedrigen einstelligen Prozentbereich, je nach aktuellen Verkäufen). Er ist ein reicher Einzelaktionär, aber er „besitzt“ eBay nicht mehr im Sinne einer unternehmerischen Kontrolle. Er kann Entscheidungen nicht allein diktieren.
Die wahren Eigentümer: Institutionelle Investoren
Wer heute wissen will, wem eBay gehört, muss in die Meldungen der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) schauen. Die Eigentümerstruktur ist typisch für einen Konzern, der im S&P 500 gelistet ist. Das Kapital ist breit gestreut, aber an der Spitze ballt sich die Macht bei den „Big Three“ der Vermögensverwaltung.
Die Top-Aktionäre (Stand ca. 2024/2025, basierend auf typischen 13F-Filings) sind:
1. The Vanguard Group
Der US-Finanzriese ist fast immer der größte Aktionär bei US-Tech-Werten. Vanguard hält in der Regel rund 11 bis 12 Prozent aller eBay-Aktien. Vanguard verwaltet dieses Geld jedoch nicht „aktiv“ im Sinne eines Eigentümers, der das Geschäft führen will. Sie halten die Aktien für Millionen von Kleinanlegern, die in Vanguard-ETFs (Indexfonds) investiert haben.
2. BlackRock
Der größte Vermögensverwalter der Welt folgt meist auf Platz zwei. BlackRock hält typischerweise zwischen 6 und 7 Prozent der Anteile. Auch hier gilt: BlackRock agiert als Treuhänder für ETF-Kunden (iShares). Dennoch übt BlackRock über seine Stimmrechte auf Hauptversammlungen (Stichwort ESG-Kriterien) erheblichen Einfluss auf das Management aus.
3. State Street Corporation
Ein weiterer großer Finanzdienstleister, der oft rund 4 bis 5 Prozent hält.
Zusammen kontrollieren diese drei Giganten fast ein Viertel des Unternehmens. Sie könnten theoretisch jeden CEO absetzen, wenn sie sich einig wären. In der Praxis stützen sie jedoch meist das amtierende Management, solange die Rendite stimmt.
Aktivistische Investoren: Die Unruhestifter
Eine besondere Rolle in der Eigentümergeschichte von eBay spielen sogenannte „Aktivistische Investoren“ (Activist Investors). Das sind Hedgefonds, die sich einkaufen, nicht um still zu halten, sondern um radikale Änderungen zu erzwingen und den Aktienkurs kurzfristig zu treiben.
Das prominenteste Beispiel war Elliott Management (geführt von Paul Singer) und Starboard Value. Im Jahr 2019/2020 bauten diese Fonds signifikante Positionen bei eBay auf (ca. 4 %). Obwohl sie weit von einer Mehrheit entfernt waren, machten sie so viel Druck, dass sie tiefgreifende Veränderungen durchsetzten:
- Der damalige CEO Devin Wenig musste gehen.
- eBay wurde gezwungen, seine Kronjuwelen zu verkaufen: StubHub (Ticketbörse) wurde für 4 Mrd. Dollar verkauft, und das Kleinanzeigen-Geschäft (eBay Classifieds Group) ging für 9,2 Mrd. Dollar an Adevinta.
Dies zeigt: Man muss eBay nicht „gehören“ (im Sinne von 51 %), um es zu steuern. Ein aggressiver Anteil von 4 % reicht oft aus, um die Strategie komplett zu ändern.
Der Streubesitz und die Mitarbeiter
Neben den großen Fonds gibt es Millionen von Kleinaktionären weltweit, die eBay-Aktien in ihren Depots haben. Ein relevanter Teil liegt auch bei den Mitarbeitenden und dem Management von eBay selbst, die über Aktienoptionsprogramme (Stock Based Compensation) am Erfolg beteiligt werden.
Diese breite Streuung schützt eBay zwar vor der Willkür eines einzelnen Patriarchen, macht das Unternehmen aber auch zum Getriebenen des Kapitalmarktes. Der CEO (aktuell Jamie Iannone) ist ein Angestellter, der quartalsweise „liefern“ muss, um die institutionellen Eigentümer zufrieden zu stellen.
Die Abspaltung von PayPal
Ein wichtiges Kapitel der Eigentumsverhältnisse war die „Ehe“ mit PayPal. eBay kaufte den Zahlungsdienstleister 2002. Über Jahre war PayPal der Wachstumsmotor von eBay. Doch auf Druck des aktivistischen Investors Carl Icahn (ein weiterer berühmter „Teil-Eigentümer“ der Geschichte) wurde PayPal 2015 als eigenständiges Unternehmen an die Börse gebracht (Spin-off). Seitdem sind eBay und PayPal getrennte Firmen mit völlig unterschiedlichen Aktionärsstrukturen, auch wenn viele Investoren (wie Vanguard) an beiden beteiligt sind.
Fazit: Ein Konzern ohne Gesicht?
Die Antwort auf „Wem gehört eBay?“ ist also: Den Fondsmanagern der Wall Street.
eBay ist das Paradebeispiel einer reifen „Public Company“. Es gibt keine Familie, keinen Gründer und keinen strategischen Mutterkonzern, der das Sagen hat. Das Unternehmen gehört dem Markt. Für die Strategie bedeutet das: Der Fokus liegt strikt auf Shareholder Value, Dividenden und Aktienrückkäufen. Große, visionäre Wetten, wie sie ein Jeff Bezos bei Amazon durchdrücken konnte (auch gegen den Willen der Aktionäre), sind bei eBay in dieser Struktur schwieriger umzusetzen. Der Eigentümer ist kollektiv, anonym und renditeorientiert.
